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Habicht
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Der Habicht (Astur gentilis, Synonym: Accipiter gentilis) ist ein Greifvogel, der zur Familie der Habichtartigen (Accipitridae) gehört. Das Verbreitungsgebiet der Art umfasst die arktischen bis subtropischen Zonen der PalĂ€arktis. Habichte ernĂ€hren sich ĂŒberwiegend von kleinen bis mittelgroßen Vögeln und SĂ€ugetieren bis zu einem Gewicht von etwa 1,0 kg. Die Art ist nicht gefĂ€hrdet.

Der Naturschutzbund Deutschland und der Landesbund fĂŒr Vogelschutz in Bayern haben den Habicht zum „Vogel des Jahres 2015“ in Deutschland gewĂ€hlt.cite-ref-1[1]

Contents

‱ Unterarten
‱ Brutbiologie
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Beschreibung

Habichte sind mittelgroße Greifvögel; die KörperlĂ€nge betrĂ€gt 46–63 cm, die Spannweite 89–122 cm. Das Gewicht liegt zwischen 0,52 kg bei den kleinsten MĂ€nnchen und 2,2 kg bei den grĂ¶ĂŸten Weibchen. Die große Spanne ist auf die deutliche GrĂ¶ĂŸen- und Gewichtszunahme von SĂŒdwesten nach Nordosten und den starken reversen Geschlechtsdimorphismus bezĂŒglich der KörpergrĂ¶ĂŸe zurĂŒckzufĂŒhren. Das Weibchen ist etwa so groß wie ein MĂ€usebussard, das MĂ€nnchen („Terzel“) ist deutlich kleiner. So wogen beispielsweise im Osten Deutschlands adulte MĂ€nnchen im Mittel 724 g, adulte Weibchen 1133 g, die FlĂŒgellĂ€nge betrug bei adulten MĂ€nnchen aus demselben Gebiet im Mittel 314 mm, bei Weibchen 353 mm.cite-ref-2[2]

Die FlĂŒgel sind relativ kurz, breit und an ihren Spitzen gerundet, der Schwanz ist relativ lang. Diese Merkmale sind typisch fĂŒr die ĂŒberwiegend waldbewohnenden Vertreter der Gattung Accipiter, sie ermöglichen keine extremen Fluggeschwindigkeiten, jedoch eine hohe Wendigkeit auf engem Raum. Ausgewachsene (adulte) Habichte sind auf der Oberseite schiefergraubraun, auf der Unterseite weiß mit einer dunkelbraunen QuerbĂ€nderung. Jungvögel sind bis zur ersten Mauser oberseits brĂ€unlich, auf der Unterseite hellgelb, gelb, beige, orange oder lachsfarben mit einer senkrechten Tropfen- oder Strichzeichnung.

Das Großgefieder zeigt in allen Kleidern eine deutliche BĂ€nderung auf weißem bis beigebraunem, bei Jungvögeln auf gelblichem Grund. Die Beine sind gelb, ebenso die Wachshaut des Schnabels. Die Iris der Augen ist bei Jungvögeln hellgelb und fĂ€rbt sich mit zunehmendem Alter in dunkelgelb, orange oder kirschrot. Dies ist aber vom Individuum abhĂ€ngig, ein sechsjĂ€hriger Habicht kann also dunklere Augen haben als ein zwölfjĂ€hriger.

Die Gefiederzeichnung ist bei den Geschlechtern sehr Àhnlich, adulte MÀnnchen sind auf der Oberseite etwas dunkler und mehr blaugrau als adulte Weibchen und zeigen eine etwas kontrastreichere Kopfzeichnung.

LautĂ€ußerungen

Habichte rufen fast ausschließlich in HorstnĂ€he. HĂ€ufigster Ruf ist ein scharfes, oft gereihtes „gik, gik, gik“ („Gickern“), das allgemein bei Erregung, z. B. bei Störungen geĂ€ußert wird und besonders hĂ€ufig wĂ€hrend der Balz von Januar bis MĂ€rz zu hören ist.cite-ref-3[3] Diese Rufe sind bei ruhigem Wetter mehrere Hundert Meter weit hörbar. Der Kontaktruf zwischen den Brutpartnern ist ein kurzes, nicht sehr auffallendes „gjak“, das zum Beispiel einer BeuteĂŒbergabe oder der Ablösung bei der Brut vorausgeht. Falls der Partner nicht sofort reagiert, wird leise „gegickert“ oder Ă€hnlich wie die Jungvogel langgezogen „hiiĂ€h“ gerufen. Bei der Kopulation rufen beide Partner ein relativ hohes, gereihtes „wirr, wirr, wirr“. Sehr auffallend sind auch die lauten Bettelrufe der Jungvögel nach dem Ausfliegen, die wie „hiiiiÀÀh“ oder „klijĂ€h“ klingen („lahnen“) und ebenfalls hĂ€ufig wiederholt werden.

Verbreitung und Lebensraum

Habichte besiedeln in mehreren Unterarten die NadelwĂ€lder der Taiga und der Gebirge (die sogenannten boreomontanen WĂ€lder) sowie die WĂ€lder der gemĂ€ĂŸigten und der mediterranen Zone der gesamten PalĂ€arktis. Im Norden fĂ€llt die Verbreitungsgrenze mit der nördlichen Grenze der borealen NadelwĂ€lder (Taiga) in Skandinavien, Finnland und Russland zusammen, im SĂŒden reicht die Verbreitung im Westen bis Nordafrika, weiter östlich bis Griechenland, Kleinasien und den Norden Irans.

Der Amerikanische Habicht (Astur atricapillus) in Nordamerika wird seit 2023 als eigene Art betrachtet. Die fĂŒr ein Vorkommen des Habichts zwingend erforderlichen Habitatvoraussetzungen beschrĂ€nken sich in Europa auf einen fĂŒr die Horstanlage geeigneten (ĂŒber ca. 60 Jahre alten) Baumbestand und ein ausreichendes Angebot mittelgroßer Vögel und SĂ€ugetiere. Innerhalb ihres europĂ€ischen Verbreitungsgebietes besiedeln Habichte daher WĂ€lder aller Art und GrĂ¶ĂŸe. Der Habicht kommt hier sowohl in großen, geschlossenen Waldgebieten wie auch in der offenen Kulturlandschaft vor, wenn dort zumindest einzelne Feldgehölze vorhanden sind.

Urbane Populationen

Der Habicht ist eine von zurzeit weltweit mindestens 20 Greifvogelarten, die auch in oder im Umfeld von StĂ€dten (urbanen Habitaten) leben. Die Besiedlung urbaner Habitate durch Habichte ist ein relativ neues PhĂ€nomen, bis Ende der 1960er Jahre gab es entsprechende Beobachtungen nur sporadisch. Die urbanen Populationen sind bisher auf Europa beschrĂ€nkt, zurzeit sind derartige Populationen aus Berlin, Köln, SaarbrĂŒcken, Hamburg und Kiew bekannt.

Unterarten

Die Abgrenzung der in der PalĂ€arktis vorkommenden Unterarten ist komplex und wird in der Wissenschaft intensiv diskutiert. Die ÜbergĂ€nge zwischen den Unterarten sind meist fließend. Je nach Autor unterscheiden sich Anzahl und geographische Abgrenzung der Unterarten daher oft erheblich. Die folgende Darstellung basiert im Wesentlichen auf dem Handbuch der Vögel Mitteleuropas (Band 4, 1989).

Insgesamt werden zurzeit sieben Unterarten beim Habicht (Astur gentilis) anerkannt; drei weitere in Nordamerika verbreitete werden mittlerweile zum Amerikanischen Habicht (Astur atricapillus) gezÀhlt:

‱ A. g. gentilis (Linnaeus, 1758):cite-ref-linne89-4-0[4] Nord- und Mitteleuropa, sĂŒdlich bis zu den PyrenĂ€en, sĂŒdlichen Alpen und Karpaten, östlich bis zum mittleren Russland
‱ A. g. marginatus (Piller & Mitterpacher, 1783):cite-ref-piller28-5-0[5] SĂŒdlich an Nominatform anschließend, Spanien und Marokko bis Kaukasus und Elburs; dunkler und etwas kleiner als Nominatform
‱ A. g. arrigonii (Kleinschmidt, O, 1903):cite-ref-kleinschmidt152-6-0[6] Korsika und Sardinien; noch dunkler und kleiner als A. g. marginatus
‱ A. g. buteoides (Menzbier, 1882):cite-ref-menzbier440-7-0[7] Nordöstlich an Nominatform anschließend, von Nordschweden, nach manchen Autoren aber auch erst von der Kola-Halbinsel an östl. bis West- und Mittelsibirien etwa bis zur Lena, sĂŒdlich bis an den Rand der Taigazone; grĂ¶ĂŸer und besonders im Jugendkleid deutlich heller als Nominatform
‱ A. g. albidus (Menzbier, 1882):cite-ref-menzbier438-8-0[8] Nordöstliches Sibirien bis Kamtschatka; noch grĂ¶ĂŸer als A. g. buteoides, mit einer grauen und einer sehr auffallenden weißen Morphe
‱ A. g. schvedowi (Menzbier, 1882):cite-ref-menzbier439-9-0[9] SĂŒdlich von A. g. buteoides und A. g. albidus in der Waldsteppenzone und in den temperaten LaubwĂ€ldern Ostasiens bis einschließlich Hokkaidƍ; FĂ€rbung und GrĂ¶ĂŸe etwa wie A. g. marginatus
‱ A. g. fujiyamae (Swann & Hartert, 1923):cite-ref-swann170-10-0[10] Auf der japanischen Hauptinsel HonshĆ«, sehr dunkel, wohl kleinste Unterart

Amerikanischer Habicht:

‱ A. a. atricapillus (Wilson, A, 1812):cite-ref-wilson80-11-0[11] Nominatform des Amerikanischen Habichts. GrĂ¶ĂŸter Teil Nordamerikas; blaugraue Oberseite, sehr kontrastreiches Kopfmuster, ad. Individuen mit fein gestrichelter und gesprenkelter Unterseite und karminroter Iris. (dann A. atricapillus)cite-ref-kunz2019-12-0[12]cite-ref-sangster2022-13-0[13]
‱ A. a. laingi (Taverner, 1940):cite-ref-taverner160-14-0[14] Vancouver Island und Haida Gwaii vor der KĂŒste der kanadischen Provinz British Columbia; dunkler als A. g. atricapillus
‱ A. a. apache (van Rossem, 1938):cite-ref-rossem99-15-0[15] Montane Bereiche im Grenzgebiet Mexiko/USA; heller als A. g. atricapillus

Insgesamt ist in der PalĂ€arktis entsprechend der Bergmann'schen Regel eine deutliche GrĂ¶ĂŸen- und Gewichtszunahme des Habichts von SĂŒdwesten nach Nordosten festzustellen.

Jagdweise und ErnÀhrung

Habichte erjagen ihre Beutetiere ĂŒberwiegend aus dem bodennahen Flug oder vom Ansitz aus in einem kurzen, schnellen und sehr wendigen Verfolgungsflug direkt auf dem Boden oder im bodennahen Luftraum. Dabei werden natĂŒrliche Strukturen wie Hecken, BĂ€ume, im Siedlungsraum aber auch HĂ€user sehr geschickt fĂŒr einen gedeckten Anflug genutzt. Seltener werden aus dem hohen Kreisen heraus im Sturzflug Vögel im freien Luftraum oder in BodennĂ€he angejagt. Im FrĂŒhjahr und Sommer suchen Habichte systematisch in höherer Vegetation und auf BĂ€umen nach Nestern und erbeuten so zahlreiche nestjunge Vögel. Bei kleineren Vogelarten wird dabei hĂ€ufig das ganze Nest mit Inhalt gegriffen, die leeren Nester sind dann hĂ€ufig an den RupfplĂ€tzen zu finden. Auch die Jagd zu Fuß wurde bei Habichten beobachtet, dabei werden zum Beispiel MaulwĂŒrfe erbeutet, auf dicht bewachsenen Inseln werden so auch brĂŒtende Stockenten geschlagen.

Die Beute wird mit den FĂŒĂŸen gegriffen und getötet, indem sie insbesondere grĂ¶ĂŸere Tiere (Kaninchen, Fasane u. a.) durch einen „Kopfgriff“, bei dem sie den Kopf und auch oft den Hals mit den Zehen fest umschließen, ersticken bzw. strangulieren, wobei die Krallen der sehr krĂ€ftigen ersten und zweiten Zehe die Beute fixieren, bis diese aufhört, sich zu bewegen. Im Zusammenwirken mit den relativ langen Beinen ermöglicht diese Tötungsmethode dem Habicht die Nutzung von vergleichsweise sehr großen und wehrhaften Beutetieren. Vögel werden nach dem Fangen oft schon angekröpft, wenn sie sich aufgrund des festen Griffs der Zehen nicht mehr bewegen, und sie sterben dann an den Verletzungen oder durch ZusammendrĂŒcken des Körpers.

Habichte ernĂ€hren sich in ihrem gesamten Verbreitungsgebiet fast ausschließlich von kleinen bis mittelgroßen Vögeln und SĂ€ugetieren. Eher selten, z. B. im Winter, gehen sie auch an Aas. Im SĂŒden des Verbreitungsgebietes werden auch Reptilien regelmĂ€ĂŸig erbeutet. Amphibien, Fische und Wirbellose werden von Habichten sehr selten als Nahrung genutzt. Das Gewicht der Beutetiere betrĂ€gt zwischen 5 g und 3,5 kg, in Mitteleuropa reicht das Beutespektrum bei Vögeln vom GoldhĂ€hnchen bis zu GĂ€nsen, bei SĂ€ugern von MĂ€usen bis zu erwachsenen Kaninchen und halbwĂŒchsigen Hasen. Kleine bis mittelgroße Greifvögel und Eulen werden regelmĂ€ĂŸig erbeutet, in Mitteleuropa vor allem Sperber und Turmfalken, aber auch MĂ€usebussarde und Milane, nestjung oder eben flĂŒgge werden auch Fischadler und Schreiadler geschlagen. Überwiegend werden jedoch Tiere mit einer Körpermasse von 0,05–1,0 kg genutzt, in Mitteleuropa vor allem Tauben, Drosseln, Rabenvögel und HĂŒhnervögel. In der Taiga Skandinaviens und Russlands dominieren in der Nahrung RaufußhĂŒhner, daneben spielen Ringeltauben, Rabenvögel und Eichhörnchen eine wichtige Rolle.

Raumnutzung

Die GrĂ¶ĂŸe des Aktionsraums ist unter anderem abhĂ€ngig vom Geschlecht, Alter, Status (verpaart, unverpaart) des untersuchten Individuums, außerdem von der Jahreszeit und dem lokalen Nahrungsangebot. In Hamburg beflogen MĂ€nnchen zur Brutzeit eine FlĂ€che von im Mittel 8,6 km2,cite-ref-16[16] in Schleswig-Holstein 13–55 km2,cite-ref-ziesmer-17-0[17] in Arizona/USA 18 km2cite-ref-18[18] und in Alaska/USA 39,8 km2.cite-ref-19[19]

Außerhalb der Brutzeit umfassten Reviere von MĂ€nnchen in Schleswig-Holstein 5–64 km2, von Weibchen im selben Gebiet 16–59 km2.cite-ref-ziesmer-17-1[17] In Mittelschweden beflogen MĂ€nnchen im Winter eine FlĂ€che von im Mittel 51 km2 (18–80 km2), Weibchen im Mittel 62 km2 (32–92 km2).cite-ref-20[20] In Nordfinnland schließlich waren die winterlichen Home-ranges von adulten MĂ€nnchen im Mittel 88 km2 groß (79 bis 97 km2), von jugendlichen (juvenilen) MĂ€nnchen 110 km2 (50–170 km2), von adulten Weibchen 69 km2 (48–94 km2), von juvenilen Weibchen 67 km2 (31–103 km2).cite-ref-21[21] Die Übersicht zeigt die deutliche Zunahme der ReviergrĂ¶ĂŸe mit zunehmendem Breitengrad, diese Zunahme hat sicher ihren Grund in der nach Norden vor allem im Winter stark abnehmenden Beutetierdichte.

Fortpflanzung

Territorialverhalten

Habichte sind monogam und streng territorial. Das Revier wird durch hĂ€ufiges „gickern“ (vgl. LautĂ€ußerungen) und durch SchauflĂŒge markiert. Bei diesen SchauflĂŒgen werden in geradem Flug die FlĂŒgel langsam tief nach unten und wieder nach oben geschlagen. Dringen fremde Artgenossen in das Revier ein, wird zuerst durch Rufe versucht, den Eindringling zu vertreiben, anschließend durch AnnĂ€herung und weitere Rufe. Im Gegensatz zu anderen Greifvögeln erfolgen direkte Angriffe mit Körperkontakt bei Habichten im Rahmen territorialer Auseinandersetzungen offenbar nur als allerletztes Mittel. Vermutlich ist dies darauf zurĂŒckzufĂŒhren, dass eine solche Auseinandersetzung wegen der auf die schnelle Tötung von relativ großen Wirbeltieren spezialisierten FĂŒĂŸe und Krallen fĂŒr beide Parteien mit einem erheblichen Risiko verbunden ist.

Brutbiologie

Habichte bauen große, voluminöse Nester (Horste) ausschließlich auf BĂ€umen. Das Mindestalter der fĂŒr den Horstbau genutzten BĂ€ume liegt bei etwa 60 Jahren. Innerhalb grĂ¶ĂŸerer Waldgebiete bevorzugt der Habicht AltholzbestĂ€nde mit fast 100 % Kronenschluss, diese BestĂ€nde sind im Sommer in BodennĂ€he wegen des geringen Lichteinfalls oft sehr dunkel. FĂŒr den Horstbau werden meist die dominanten BĂ€ume eines Bestandes genutzt, bevorzugt an einer kleinen Schneise oder an einem Weg. Die Horste werden, meist im Wechsel mit weiteren Horsten innerhalb des Brutreviers, oft ĂŒber Jahre benutzt.

Mit Beginn der Balz wird der zur Brut gewĂ€hlte Horst mit grĂŒnen Zweigen aufgebaut, diese BegrĂŒnung wird bis ins spĂ€te Nestlings­alter fortgesetzt. Habichte machen eine Jahresbrut, die Eiablage erfolgt in Mitteleuropa meist Mitte MĂ€rz bis Mitte April, die GelegegrĂ¶ĂŸe betrĂ€gt ein bis fĂŒnf, meist zwei bis vier Eier. Die Eier sind ungezeichnet und blassgrĂŒn bis blassblau. Die Jungvögel schlĂŒpfen nach einer Brutzeit von 37 bis 39 Tagen. Im Vergleich zu anderen Greifvogelarten (z. B. den Echten Adlern der Gattung Aquila, Bussarden oder Weihen) sind nestjunge Habichte untereinander sehr friedlich, Verluste durch Geschwistertötungen sind daher sehr selten. Die Jungvögel sind mit etwa 40–45 Tagen flĂŒgge. Sie verlassen drei bis sechs Wochen nach dem Ausfliegen das elterliche Revier.

Wanderungen

Die Art ist in Mitteleuropa Standvogel und Teilzieher bei unauffĂ€lligem Durchzug (in AusnahmefĂ€llen auch weitere Wanderungen, Brutvögel Deutschlands selten bis > 320 km). Jungvögel zeigen eine ungerichtete Dispersion. Die Wanderentfernung ziehender Habichte in Europa nimmt ab von Nord nach SĂŒd; Brutvögel aus dem Bereich Russland und Nord-Fennoskandien wandern teils weit (bis 1727 km). SĂŒdlichste Beobachtungen im Winter liegen aus Nord-Afrika vor.cite-ref-22[22]

Bestand und GefÀhrdung

Da Habichte hĂ€ufig jagdlich genutzte Arten wie den Fasan sowie HausgeflĂŒgel und Brieftauben erbeuten, wurden sie in weiten Teilen ihres Verbreitungsgebietes von JĂ€gern und KleintierzĂŒchtern verfolgt. Innerhalb Europas wurde die Art in Großbritannien ausgerottet (letzte Bruten 1893 und 1938–1951, Wiederbesiedlung ab 1965, 1991 wurden dort wieder 230 Paare gezĂ€hlt), in den ĂŒbrigen LĂ€ndern wurden die BestĂ€nde bis Ende des 19. Jahrhunderts drastisch reduziert, eine vollstĂ€ndige Ausrottung erfolgte jedoch in keinem weiteren Land. Im Gegensatz zu anderen Greifvogelarten (vor allem Seeadler (Haliaeetus albicilla), Sperber (Accipiter nisus) und Wanderfalke (Falco peregrinus)) war der Habicht durch die europaweite Anwendung von DDT bis Anfang der 1970er Jahre kaum betroffen. Nach der Unterschutzstellung des Habichts etwa ab Anfang der 1970er Jahre war in vielen Teilen Europas wie auch Deutschlands eine deutliche Bestandszunahme zu verzeichnen, beispielsweise in den Niederlanden, Nordrhein-Westfalen sowie in Brandenburg und Berlin. Die Anzahl der Brutpaare wird in Deutschland fĂŒr das Jahr 2014 auf 11.500–16.500 (davon etwa 100 in der Stadt Berlin),cite-ref-23[23] fĂŒr Österreich im Jahr 2000 auf 2000–2300 und fĂŒr die Schweiz fĂŒr 1995 auf 1400–1600 geschĂ€tzt.cite-ref-24[24]

Mensch und Habicht

Da der Habicht auch HausgeflĂŒgel erbeutet, sind im Volksmund Namen wie Stoßvogel, Stoßfalk, HĂŒhnerrĂ€uber, HĂŒhnerfresser, HĂŒhnerstĂ¶ĂŸer, HĂŒhnerhabicht (lateinisch Accipiter gentilis gallinarum), HĂŒhnergeier, Hennenhacht oder auch geflĂŒgelter Teufel fĂŒr die Art entstanden.cite-ref-25[25]

Außerdem haben sich im Laufe der Jahrhunderte einige aberglĂ€ubischen Praktiken etabliert, um diesen von Tauben und HĂŒhnern fernzuhalten. Diese sind bzw. waren von Region zu Region unterschiedlich. In der Oberpfalz beispielsweise sollte das Ausreißen von drei Habichtfedern, die man anschließend in eine andere Gemeinde brachte, das eigene GeflĂŒgel vor seinen Angriffen schĂŒtzen.

In Westfalen dagegen sollte es helfen, wenn man neben das junge Federvieh einen blanken Kessel setzte.

Andere Rituale sind an die Osterfeiertage gebunden: Wer an Karfreitag die HĂŒhner durch einen hölzernen Reifen ließ, schĂŒtzte sie gleichfalls vor dem Habicht. Komplizierter ist ein anderes ĂŒberliefertes Ritual: Von allen auf dem Ostertisch stehenden Speisen musste etwas rund um den Hof gestreut werden, und dazu war folgender Spruch aufzusagen:

Habicht, Habicht
hier gebe ich dir ein Osterlamm
friß mir keine HĂŒhner auf

Ähnlich wie auch fĂŒr Eulen ĂŒberliefert, sollte auch ein erjagter Habicht, der an der StalltĂŒr aufgehĂ€ngt wurde, den Hof vor Hexen schĂŒtzen und andere Greifvögel fernhalten.cite-ref-26[26]

Die Stammburg der Habsburger, die Habsburg im Schweizer Kanton Aargau, soll nach einer Legende von ihrem Erbauer Habichtsburg genannt worden sein, als sich ein Habicht auf dem SchlossgemĂ€uer niederließ. Wahrscheinlicher ist jedoch eine Benennung nach dem altdeutschen Wort „hab“/„haw“ als Bezeichnung fĂŒr „FlussĂŒbergang“.

Die Flagge der Azoren fĂŒhrt einen Habicht. Er verweist darauf, dass sich der Name der Inseln von seiner portugiesischen Bezeichnung Açor ableitet. Allerdings beruht diese auf einem Fehler. Die Seeleute, die den Inseln ihren Namen gaben, hatten MĂ€usebussarde (Buteo buteo) auf den Inseln vorgefunden. Habichte kommen auf den Azoren nicht vor.

Der Habicht spielt auch eine Rolle im 1991 von Hape Kerkeling prĂ€sentierten Fernsehstreich Hurz! und der darauf bezugnehmenden Single „Hurz!!!“, die es bis auf Platz 4 der Deutschen Charts schaffte.cite-ref-27[27]

Literatur

‱ Rob G. Bijlsma: Ecologische Atlas van de Nederlandse Roofvogels. Schuyt & Co, Haarlem 1993, ISBN 90-6097-348-8.
‱ Stanley Cramp, K. E. L. Simmons: Handbook of the Birds of Europe the Middle East and North Africa – The Birds of the Western Palearctic. Band 2. Oxford University Press, Oxford/New York 1980.
‱ Urs N. Glutz von Blotzheim, K. M. Bauer, Einhard Bezzel: Handbuch der Vögel Mitteleuropas. Band 4, 2. Auflage. AULA-Verlag, Wiesbaden 1989.
‱ Dick Forsman: The Raptors of Europe and the Middle East. A Handbook of Field Identification. T. & A. D. Poyser, London 1999, ISBN 0-85661-098-4.
‱ E. J. M. Hagemeijer, M. J. Blair (Hrsg.): The EBCC Atlas of European Breeding Birds: Their Distribution and Abundance. T. & A. D. Poyser, London 1997.
‱ V. Looft, G. Busche: Vogelwelt Schleswig-Holsteins. Band 2: Greifvögel. Karl Wachholtz Verlag, NeumĂŒnster 1981.
‱ H.-G. Bauer, E. Bezzel, W. Fiedler (Hrsg.), Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas. Ein umfassendes Handbuch zu Biologie, GefĂ€hrdung und Schutz. EinbĂ€ndige Sonderausgabe der 2., vollst. ĂŒberarbeiteten Auflage. Aula-Verlag, Wiebelsheim 2012.
‱ L. Artmann, N. Kenntner, C. Neumann, S. Schlegl: Der Habicht – Vom WaldjĂ€ger zum Stadtbewohner. Oertel + Spörer Verlag, Reutlingen 2014.
‱ Carl von LinnĂ©: Systema Naturae per Regna Tria Naturae, Secundum Classes, Ordines, Genera, Species, Cum Characteribus, Differentiis, Synonymis, Locis. 10. Auflage. Band 1. Imprensis Direct Laurentii Salvii, Stockholm 1758 (online [abgerufen am 12. April 2015]).
‱ Adriaan Joseph van Rossem: A Mexican Race of the Goshawk (Accipter gentilis (Linnaeus)). In: Proceedings of the Biological Society of Washington. Band 51, 1938, S. 99–100 (online [abgerufen am 12. April 2015]).
‱ Alexander Wilson: American Ornithology or, the Natural History of the Birds of the United States: Illustrated with Plates Engraved and Colored from Original Drawings taken from Nature. Band 6. Bradford and Inskeep, Philadelphia 1812 (online [abgerufen am 12. April 2015]).
‱ Otto Kleinschmidt: Astur gentilis arrigonii form.nov. In: Ornithologische Monatsberichte. Band 11, Nr. 10, 1903, S. 152–153 (online [abgerufen am 13. April 2015]).
‱ Harry Kirke Swann, Ernst Hartert: Mr. H. Kirke Swann exhibited a new Goshawk from Japan on behalf of Dr. Hartert and himself, and made the following remarks. In: Bulletin of the British Ornithologists’ Club. Band 43, Nr. 280, 1923, S. 170 (online [abgerufen am 13. April 2015]).
‱ Percy Algernon Taverner: Variation in the American Goshawk. In: The Condor. Band 42, Nr. 3, 1940, S. 157–160 (englisch, online [PDF; 264 kB; abgerufen am 13. April 2015]).
‱ Matthias Piller, Ludwig Mitterpacher: Iter per Poseganam Sclavoniae provinciam, mensibus Junio, et Julio anno 1782, susceptum a Mathia Piller et Ludovico Mitterpacher. Typis Regiae Universitatis, prostat apud J. M. Weingand et J. G. Köpf, Budapest 1783.
‱ Michail Alexandrowitsch Menzbier: ĐžŃ€ĐœĐžŃ‚ĐŸĐ»ĐŸĐłĐžŃ‡Đ”ŃĐșая ĐłĐ”ĐŸĐłŃ€Đ°Ń„ĐžŃ ЕĐČŃ€ĐŸĐżĐ”ĐčсĐșĐŸĐč Đ ĐŸŃŃĐžĐž. Band 2. Uchenia Zapiski Imperatorskovo Moskovskii Univ. Otdel Estestvennoistoricheskii, Moskau 1882.
‱ Helen Macdonald: H is for Hawk. 2014. (deutsch: H wie Habicht. 2015, ISBN 978-3-7934-2298-3)

Weblinks

Commons

: Habicht

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

‱ Literatur von und ĂŒber Habicht im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
‱ Accipiter gentilis in der Roten Liste gefĂ€hrdeter Arten der IUCN 2023.1. Eingestellt von: BirdLife International, 2021. Abgerufen am 24. Mai 2024.
‱ Habicht (Accipiter gentilis) bei Avibase
‱ Habicht (Accipiter gentilis) auf eBird.org
‱ xeno-canto: Tonaufnahmen – Habicht (Accipiter gentilis)
‱ Eurasian Goshawk (Accipiter gentilis) in der Encyclopedia of Life. (englisch).
‱ Javier Blasco-Zumeta, Gerd-Michael Heinze: Geschlechts- und Altersbestimmung (PDF-Datei, englisch)
‱ Federn des Habichts

Einzelnachweise

cite-note-11. ↑ Der Habicht ist Vogel des Jahres 2015. Naturschutzbund Deutschland (NABU), 17. Oktober 2014, abgerufen am 7. Dezember 2014.
cite-note-22. ↑ Udo BĂ€hrmann: Über das Variieren des Habichts. In: Zool. Abh. Mus. Tierk. Dresden. 28; 1965, S. 65–94; dort weitere Maße.
cite-note-33. ↑ Stimmbeispiel
cite-note-linne89-44. ↑ Carl von LinnĂ©, S. 89.
cite-note-piller28-55. ↑ Matthias Piller u. a., S. 28.
cite-note-kleinschmidt152-66. ↑ Otto Kleinschmidt, S. 152.
cite-note-menzbier440-77. ↑ Michail Alexandrowitsch Menzbier, S. 440.
cite-note-menzbier438-88. ↑ Michail Alexandrowitsch Menzbier, S. 438.
cite-note-menzbier439-99. ↑ Michail Alexandrowitsch Menzbier, S. 439.
cite-note-swann170-1010. ↑ Harry Kirke Swann u. a., S. 170.
cite-note-wilson80-1111. ↑ Alexander Wilson, S. 80, Tafel 52, Figur 3.
cite-note-kunz2019-1212. ↑ Florian Kunz, Anita Gamauf, Frank E. Zachos, Elisabeth Haring: Mitochondrial phylogenetics of the goshawk Accipiter [gentilis] superspecies. April 2019, Journal of Zoological Systematics and Evolutionary Research 57(1776), DOI:10.1111/jzs.12285
cite-note-sangster2022-1313. ↑ George Sangster: The taxonomic status of Palearctic and Nearctic populations of northern goshawk Accipiter gentilis (Aves, Accipitridae): New evidence from vocalisations. Vertebrate Zoology 72, 2022, 445–456 | DOI: 10.3897/vz.72.e85419
cite-note-taverner160-1414. ↑ Percy Algernon Taverner, S. 160.
cite-note-rossem99-1515. ↑ Adriaan Joseph van Rossem, S. 99.
cite-note-1616. ↑ C. Rutz: Raum-zeitliche Habitatnutzung des Habichts - Accipiter gentilis - in einem urbanen Lebensraum. Diplom-Arbeit. Univ. Hamburg 2001, S. 22 ff.
cite-note-ziesmer-1717. ↑ F. Ziesemer: Untersuchungen zum Einfluss des Habichts auf Populationen seiner Beutetiere. In: Beitr. z. Wildbiologie. 2; 1983, ISBN 3-88847-008-0.
cite-note-1818. ↑ D. J. Bright-Smith, R. W. Mannan: Habitat use by breeding male Northern Goshawks in northern Arizona. In: Stud. Avian Biol. 16; 1994, S. 58–65 zit. in: Christian Rutz: Raum-zeitliche Habitatnutzung des Habichts - Accipiter gentilis - in einem urbanen Lebensraum. Diplom-Arbeit. Univ. Hamburg 2001, S. 28.
cite-note-1919. ↑ K. Titus, C. J. Flatten, R. E. Lowell: Northern Goshawk ecology and habitat relationships on the Tongass National Forest. In: Rep. prepared for the For. Serv., Alaska Dept. of Fish and Game, Div. of Wildl. Conser. Juneau, Alaska. Zit. in: Christian Rutz: Raum-zeitliche Habitatnutzung des Habichts - Accipiter gentilis - in einem urbanen Lebensraum. Diplom-Arbeit. Univ. Hamburg 2001, S. 28.
cite-note-2020. ↑ P. WidĂ©n: The hunting habits of Goshawks Accipiter gentilis in boreal forests of central Sweden. In: Ibis. 131; 1989, S. 205–213.
cite-note-2121. ↑ R. Tornberg, A. Colpaert: Survival, ranging, habitat choice and diet of the Northern Goshawk Accipiter gentilis during winter in Northern Finland. In: Ibis. 143; 2001, S. 41–50.
cite-note-2222. ↑ Hans-GĂŒnther Bauer, Einhard Bezzel, Wolfgang Fiedler (Hrsg.): Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas. EinbĂ€ndige Sonderausgabe der 2. Auflage. Aula Verlag, Wiebelsheim 2012, ISBN 978-3-89104-758-3, S. 326.
cite-note-2323. ↑ Bild der Wissenschaft. Heft 02/15, 16. Januar 2015.
cite-note-2424. ↑ T. Mebs, D. Schmidt: Die Greifvögel Europas, Nordafrikas und Vorderasiens. Biologie, Kennzeichen, BestĂ€nde. Franckh-Kosmos Verlag, Stuttgart 2006, ISBN 3-440-09585-1, S. 293.
cite-note-2525. ↑ Habicht. Landesbund fĂŒr Vogelschutz in Bayern, abgerufen am 9. Oktober 2021.
cite-note-2626. ↑ BĂ€chtold-StĂ€ubli: Handbuch des deutschen Aberglaubens. Band 3, Stichwort: Habicht.
cite-note-2727. ↑ Hape Kerkeling: Hurz!!! In: Offizielle Deutsche Charts. GfK Entertainment GmbH, abgerufen am 10. Dezember 2024.